• Dr. Klaus-Ulrich Moeller

Die große Post-Corona-Diskussion: Wie wollen wir leben?


Noch hat die Virus-Krise uns alle fest im Griff. Sie verändert Verhalten, Denkweisen, Rituale, schöne Gewohnheiten - quasi alles. Kein Fußball mehr, kein Konzert, keine Bussi-Bussis. Reisen, Messen, Meetings - alles steht auf dem Prüfstand. Doch je länger die Krise dauert, desto konsequenter wird sich die Panik legen. Und wir werden - das wissen wir aus früheren Krisen - nicht nur lernen, mit dem Virus zu leben, sondern wir werden vieles hinterfragen und denken: Warum haben wir das eigentlich nicht immer schon so gemacht? Ein einfaches Zurück zu dem Lebensstil, den wir hatten, wird und kann es nicht geben. Beruflich nicht. Privat nicht. Die große Post-Corona-Diskussion "Wie wollen wir künftig leben?" hat schon längst begonnen.

Hatten wir nicht immer schon den Eindruck, es gäbe viel zu viele unproduktive Meetings in unserem Berufsalltag? Hatten wir uns nicht schon oft gefragt, warum wir eigentlich wochenlang mit Bus und Bahn und Auto quer durch die Lande pflügen müssen, um hier mit dem Kunden, dort mit dem Lieferanten etwas zu besprechen, hier einen Vortrag abzuliefern, dort ein Fernseh-Statement abzugeben? Und nach all dem am Ende der Woche fix und fertig zu sein? Haben wir uns nicht schon immer gefragt, warum Containerschiffe aus China acht Wochen lang auf ihrer Reise nach Europa Schweröl in die Luft verpusten müssen, nur um uns mit Kleinteilen für ein Smartphone zu beliefern? Und wollten wir nicht immer heimlich schon mal statt in die Karibik zu fliegen einen Wanderurlaub im Schwarzwald verbringen? Wohin wir mit dem eigenen Wagen fahren könnten? Und haben wir nicht schon oft die Japaner dafür bewundert, wie konsequent sie bei der Begrüßung jeden Körperkontakt vermeiden?  

Liebe Leser, wie wollen wir leben in Post-Corona-Zeiten? Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir historische Epochen nicht mehr nach klassischen Kriegen, also erstem und zweitem Weltkrieg, Dreißigjährigem Krieg, auch nicht nach Revolutionen (Französische Revolution 1789, Russische Revolution 1917) einteilen, sondern nach Epidemien, Pandemien oder Ereignissen, die die Welt global verändern (Vulkanausbrüche, Klimafolgen, tektonisch Großereignisse/Erdbeben, Tsunamis, unkontrollierte Giftstoffe). Welche Fragen werden wir diskutieren müssen:

PREVENTIVE ORGANIZING

Wie wappnen wir uns global gegen weltweite Pandemien/Epidemien? Welche Vorwarnsysteme etablieren wir? Und wo? Welche Vorsorge muss der einzelne Bürger treffen? Welche Krisenszenarien gelten auf nationaler Ebene? Und wollen wir viel Geld investieren in Krisen-Prognosen, also in Szenarien, die eintreten könnten, aber nicht eintreten müssen? Wie präventiv soll unsere Vorsorge sein?

PREVENTIVE LIVING

In welchem mentalen Modus wollen wir leben? Ständig in Angst? Oder im entspannten Konsum-Modus wie bisher?  Mental widerstandsfähig gegen alles? Um dann doch als erster im Laden Hamsterkäufe zu tätigen? "Resilience" ist das Wort des Tages. Aber so einfach ist es nicht, weil die alten Muster nicht mehr funktionieren: Wie viel Vorsicht sollen wir überhaupt walten lassen? Soll ich in Wahrscheinlichkeiten denken: Dass die Wahrscheinlichkeit, beim Skifahren in einer Lawine zu sterben, größer ist, als an einem Virus lungentechnisch zu kollabieren? Das eigenen Risiko-Mindset steht zur Disposition.

PREVENTIVE CARING

Ich selber muss in komplizierter Welt entscheiden, wie ich mich gegen Überlastung jeder Art schütze. Niemand kann mir das abnehmen. Maschinen beherrschen das: Sie melden sich, bevor sie kaputt gehen. Das fällt uns Menschen ziemlich schwer. Wir schleppen uns ins Büro, bis wir zusammenbrechen - und dabei den Kollegen noch zuflüstern "Wird schon wieder, Unkraut vergeht nicht". Was uns allerdings überlastet - das Tempo, die Verantwortung, die Angst, die Welt überhaupt, dass muss jeder für sich - völlig natürlich auch mit einem Coach - für sich beantworten. Und sollte es tun.

PREVENTIVE SOCIALIZING Wir vergessen all zu gerne, dass in den letzten zehn Jahren jeder Virus (Norovirus, N5H1, Ebola, Grippe etc.) uns herausgefordert hat, wie wir im öffentlichen Kontakt mit Menschen agieren und was wir riskieren oder nicht. Corona hat uns noch einmal ausdrücklich vor Augen geführt, dass jeder engere körperliche oder körpernahe Kontakt Risiken birgt für jeden von uns. Wie viel sozialen Kontakt also wollen wir und welche Alternativen über virtuelle Kontakte und die verfügbaren Online-Business-Tools wollen wir? Das erzwingt eine ganz neue Diskussion über unser allgemeines soziales Verhalten - bis in die individuelle Paarbeziehung hinein.

PREVENTIVE GLOBALIZING

Corona hat die Risiken der durchgetakteten Globalisierung in Lieferketten, Produktion, Kommunikation und Lifestyle schonungslos offengelegt. Wie viel Globalisierung also wollen wir? Wie können wir regionale Schotten einziehen wie es jedem Handelsschiff heute übrigens üblich ist? Muss die Globalisierung anders organisiert werden? Es ist eine der Schlüsselfragen, die Wirtschaft und Politik zu beantworten haben werden. Es ist wahrscheinlich sogar die alles entscheidende. 

Das sind fünf Fragen, die wir uns im künftigen Dialog stellen sollten: Wie wollen wir künftig leben?

Über Euren Input würde ich mich freuen, denn das ist ein Diskussionsbeitrag, kein Statement.

Ihr/Euer Klaus Ulrich Moeller

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Diese Seite gehört Dr. Klaus-Ulrich Moeller, Zeitgeist-Experte & Wirtschafts-Futurist, einem unbequemen Vordenker, Autor und gefragtem KeyNote Speaker. Klaus-Ulrichs Überzeugung: Zukunft entsteht im Kopf - man muss dort nur nachschauen.

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