• Dr. Klaus-Ulrich Moeller

Gelbe Karte für Annalena Baerbock

Ist es als Plagiat zu werten, wenn ich in einer Art Autobiographie längere Textpassagen aus dritter Quelle übernehme und nicht kennzeichne? Hat Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bewusst getäuscht - oder nur "allgemein bekannte Fakten" zitiert? Es dürfte, rechtlich gesehen, keine Urheberrechtsverletzung vorliegen und in der Tat sind die Anforderungen an

wissenschaftliche Arbeiten höher als an Sachbücher oder Biographien. Dort sind die Quellenangaben oft umfangreicher als der eigentliche Text.


Und doch meine ich als Autor: Hier ist geistiges Eigentum anderer einfach abgekupfert, gestohlen worden. Die bisher gefundenen Passagen sind Analysen des jeweiligen Autors, die geistige Kapazität, Können und Mühe erfordert haben. Wortwahl, Gedankengang und Logik in den entsprechenden Textpassagen sind geistiges Eigentum des Autors. Oft begleitet von dem Hinweis, dass eine Übernahme von Textpassagen nicht ohne Einwilligung des Autors erlaubt ist. Respekt vor geistigem Eigentum aber setzt voraus, dass ich den Autor erwähne, wenn ich komplexere Gedankengänge von ihm übernehme - und sei es durch kurze Erwähnung im Fließtext. Das ist guter Brauch, gehört sich in der Branche so und wäre für Baerbock Pflicht gewesen, wenn sie Urheberrecht ernst nehmen würde.


Aber das Buch dürfte entstanden sein wie viele: Mitarbeiter werden beauftragt, bestimmte

fachliche Passagen auszuarbeiten. Dabei wird ihnen kein Ethikkodex vorgegeben, was erlaubt und was untersagt ist und so wird aus Drittquellen wild übernommen und zitiert und nachher weiß keiner mehr richtig, woher welche Passagen eigentlich stammen. Und Frau Baerbock auch nicht, die nachher die persönlichen Passagen eingepflegt und den Rest grob redigiert haben dürfte, wie die Erfahrung uns zeigt. Und ein gewissenhaftes Lektorat erfolgte wohl auch nicht - weder bei den Grünen selber noch beim Verlag, dem die Aussicht auf ein PR-trächtiges Buch die Augen vernebelt haben dürfte. Der STERN lässt grüßen....


Meine Meinung: Zum Thema geistiges Eigentum, Urheberrecht, zum Thema Ehrlichkeit, Offenheit und souveräner Umgang mit Texten Dritter hat sich die grüne Kanzlerkandidatin auf Dauer selbst aus dem Spiel genommen. Für jemanden aber, der den Anspruch erhebt, in digitalen Zeiten großer Informationsplattformen, in Zeiten von FakeNews, Troll-Einheiten und einer intensiven Debatte um Urheberrechte von Verlagen das Land zu führen, ist das weit mehr als ein Kollateralschaden. Eigentlich eine Disqualifikation - oder nur GELBE KARTE?


Was meint IHR?


Klaus-Ulrich Moeller


Fotohinweis: tagesschau.de


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