Kann ich ein Land per Twitter regieren? Die Antwort überrascht. JA!

14.12.2016

Stellen Sie sich einfach mal vor, Angela Merkel postet nachts um 3 Uhr öffentlich über Twitter: "Kommt morgen 14 Uhr nach Goslar. Dort werde ich sagen, was ich von Gabriel halte: Gar nichts! Er ist ein Idiot!". Man würde vermuten, sie hat ihren letzten Skiunfall noch nicht richtig verarbeitet oder russische Hacker haben ihr Morphium verabreicht.

 

​Genauso wie hier beschrieben macht der neue gewählte US-Präsident Donald Trump derzeit Politik: Nachts, tags, unrhythmisch und nicht vorhersehbar, überzieht er sein Land und die Welt mit Vorwürfen, Beleidigungen, falschen Behauptungen oder kruden Angriffen gegen seine Geheimdienste, China und Boeing. Zu den Absonderlichkeiten dieser Wahl gehört an allerster Stelle dieses erratische Kommunikationsverhalten, das zur Zeit weltweit so ziemlich alle verwirrt. Wir sind gewohnt an ausgefeilte Kommuniques, an Presse-Statements, die wochenlang abgestimmt wurden, an Pressekonferenzen und verlässliche Weihnachts-Botschaften unserer Staatsoberhäupter. Zumindest das ging seinen geregelten Gang.

 

Wir sollten beginnen, umzudenken. Zwar ist Twitter ein flüchtiges, unzuverlässiges Medium, das zu unüberlegten Äußerungen geradezu einlädt. Wir kennen das Phänomen schon aus dem E-Mail-Verkehr, wo ein zweites Nachdenken sinnvoll wäre und wir morgens schreckensbleich aufwachen mit dem Gedanken, was wir da letzte Nacht rausgeschickt haben. Schon heute prägen soziale Netzwerke in erheblichem Maße die öffentliche Meinung (wobei wir einmal das Problem der automatischen Bots hier ausklammern). Wir mögen  das Verhalten Trumps unmöglich finden, gegen die Konvention, gegen alle Regeln herkömmlicher, verläßlicher Kommunikation. Doch der Vorteil ist unübersehbar: Niemals zuvor hat ein Präsident (elect) die Öffentlichkeit so schnell und direkt erreicht wie Trump durch seine Twitter-Tweeds. Durch seine ungewöhnliche Direktheit, völlig ungefiltert, undiplomatisch, aber genau deshalb immens authentisch.

 

Niemand ist auf diese Art ringkampfähnlicher internationaler Kommunikation vorbereitet, doch bei nüchterner Betrachtung ist es das Kommunikationsmodell der Zukunft. Trump braucht nur um 3 Uhr morgens an Putin zu twittern: "Vladimir, lass den Scheiss in Syrien. Ist mal genug irgendwann"  - und zwei Minuten später öffentlich: "Ich habe gerade Vladimir eine Nachricht geschickt: Lass den Scheiß in Syrien, ist mal genug irgendwann". Es wäre wirkungsvoller als tausend Friedensbotschafter, die unter großem öffentlchen Getöse zu vermitteln versuchen. Kommunikation und Meinungsbildung werden erratischer, werden zufälliger und spontaner werden und sich aus ihrem klassischen festen Regelwerk lösen.

 

Ich gehe sogar einen Schritt weiter: Die direkte elektronische Kommunikation wird Diplomatie und Politik revolutonieren. Es wird - öffentlich gesehen - ehrlicher zugehen als bisher. Direkt, undiplomatisch, auf den Punkt gebracht. Aller Schleier entledigt. Es wird nicht alle Probleme lösen, es wird sogar neue Probleme schaffen. Aber wir wissen ehrlicher als bisher, was die Regierenden denken. Irgendwo nicht so schlecht, oder?

 

Dr. Klaus-Ulrich Moeller

Sasbach/Baden-Baden - 15.12.2016

 

 

 

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