"Feuer & Wut - Warum Trumps Rhetorik so gefährlich ist"

 

"Feuer, Eis & Dynamit" ist ein schöner Titel für einen actiongeladenen Fantasy-Film aus dem Jahr 1990, den der frühere Skiläufer Willy Bogner gedreht hat.  Ein sehr erfolgreicher Film. An diesen Titel musste ich mich erinnern, als ich jetzt den Satz las: "Feuer und Wut - wie sie die Welt noch nie gesehen hat". Ebenfalls ein schöner Filmtitel, dachte ich. Wann dieser Film in die Kinos kommt, ist noch offen. Wahrscheinlich weiß es auch der Filmproduzent selber nicht - Donald Trump höchstpersönlich. Dass es sich um eine martialische, offenbar impulsiv geäußerte Drohung an Nordkorea handelt, geht in dem schönen Wortspiel fast unter. Nun waren offenbar die Vorverkäufe für den Film nicht so überzeugend, so dass sich Verteidigungsminister Jim Mattis genötigt sah, noch eine Schippe draufzulegen. Nordkorea solle "vernichtet" werden, erklärte er mit grimmigem Gesicht - gerade so, als handele es sich um ein virtuelles Brettspiel wie bei "Empire".

 

Nun nutzt es ja wenig, sich jeden Morgen erstaunt und erschrocken die Augen zu reiben über diese offenkundige Kriegs-Rhetorik in der amerikanischen Administration, die sich in einer atemberaubenden Spirale immer weiter dreht. Dass eine solche Rhetorik nachweislich die Hemmschwellen gewalt- und konfliktbereiter Staaten deutlich senkt, dass ein

Rückzug ohne Gesichtsverlust immer schwerer wird, dass die Möglichkeiten der Diplomatie schrumpfen, dass man, ganz einfach, mit Nuklear-Rhetorik nicht seine Späßchen treibt - dieses Denken ist Donald Trump schlichtweg fremd. Und damit in der Tat: Gefährlich.

 

Denn genaus so begreift Trump Politik: Als Blockbuster, als Inszenierung, als emotionales Highlight, als bombastisches Wortgeklingel, das die Menschen in die Kinos, pardon, an den Fernseher treiben soll. Die Folgen einer solchen Eskalations-Rhetorik existieren für Trump schlichtweg deshalb nicht, weil er überzeugt ist, jederzeit den nordkoreanischen Staatschef anrufen und ihm sagen zu können, künftig könne er alle Waffen zum halben Preis aus den USA beziehen - wenn er nur diese blöden Raketen wieder entfernt, die Guam erreichen können. Gleichzeitg definiert er ihn kurzerhand um zum

"allerbesten Freund, ein wirklich großer Freund der Vereinigten Staaten", mit dem man "hervorragend zusammenarbeiten" werde. Alles ist möglich. Alles auf Reset. Alles auf Los. Alles nur ein Spiel. Alles nur ein Film. Der Feind ist eben nicht der Feind, nur ein guter Spielpartner auf Augenhöhe.

 

Auch in dieser rhetorischen Eskalation zeigen sich die Grundmuster der Trump`schen Rhetorik: Der Verzicht auf jedwede klassische "Argumentation". Trump kennt keine ausgefeilten Begründungen. Der einfache Satz "We must do it" gehört zu fast jeder seiner Statements dazu. Warum? Völlig egal. Make America great again. In den wolkigen Schleier dieser Worte passt alles hinein. Die ausgefeilte Begründung, der Versuch, politische Schritte nachvollziehbar zu machen und zu aufgeklärten

Staatsbürgern zu sprechen - alles Elemente moderner Staatsformen, machen einer Rhetorik Platz,

 

die an die allerniedrigsten Instinkte eines unmündigen Volkes zu erinnern scheint. Aber genauso geht es eben im Film zu: Keiner muss verstehen, warum etwa James Bond 007 einen Übeltäter wie Kananga verfolgt, wichtig ist nur die Szene an sich. Große Blockbuster leben eben nicht von Logik, geschliffener Rhetorik und Begründung. Sie leben nur von Effekten. Genau das ist Trumps Welt.

 

Gibt es schon keine Logik des Verstehens in Trumps Rhetorik, so arbeitet sie zudem mit Verdrehungen, gezielt falschen Behauptungen und dem Versuch, durch simpelste Wortwahl Deutungshoheit über Vorgänge zu erreichen. Dieses rhetorische Modell ist nicht neu - die "Sophisten" haben es vor rund 2000 Jahren in der griechischen Demokratie erfunden. Es hat

sich freilich nie durchsetzen können. Zur abendländischen Kultur gehören Platon und Aristoteles. Die Sophisten gehören nicht dazu.

 

Bestandteil einer funktionierenden Demokratie sind verstehende Staatsbürger. Sind Politiker, die ihre Macht auf die Kraft des Argumentes bauen müssen, nicht auf Suggestion, nicht auf verschwurbelte Feindbilder, Drohungen oder schnell verpuffende Effekte.  Alles muss runtergebrochen werden auf rationale, nüchterne, nachvollziehbare Entscheidungen. Auf Entscheidungen, deren ethischer Rahmen klar und transparent kommuniziert wurde. DAS ist Demokratie. Legt man das als Maßstab an, dann

hat die amerikanische massive Risse zu verzeichnen. Eine nicht nur bedauerliche, sondern eine - ganz nüchtern betrachtet - extrem gefährliche Entwicklung.

 

Dr. Klaus-Ulrich Moeller

Kommunikations-Analytiker & Orientierungs-Redner

 

 

 

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