• Dr. Klaus-Ulrich Moeller

Erst im Desaster sehen wir, was möglich ist"

AUSZUG AUS "DER SKOPTIMIST - GEDANKENSPLITTER ZUR UNFERTIGEN ZUKUNFT" / Autor: Klaus-Ulrich Moeller

Im Herbst 2019 veröffentlicht, ist mein Buch "Der Skoptimist" in dieser Krise aktueller denn je. Alle paar Tage veröffentliche ich kurze Auszüge aus dem Buch, um mit euch neue, auch verquere Gedanken zu teilen. Selbst über Epidemien habe ich Ende 2019 prophetisch schon geschrieben, wie der folgende Auszug zeigt.


"Die Geschichte zeigt sehr deutlich, dass uns erst Epidemien aufrütteln mussten, bevor Penicillin und Antibiotika erfunden wurden. Flugzeuge mussten erst abstürzen, bevor man ihre Schwachstellen ausmerzt. Dinge müssen offenbar immer erst passieren, bevor wir glauben, dass sie wirklich passieren können. Erfolg kommt erst durch Misserfolg. Ich vermute, genauso wird es in vielen Zukunftsprojekten kommen: Irgendein Eiland nahe Grönland wird klimabedingt überspült und macht den dortigen Einwohnern den Garaus. Ein aus einer Retorte geborenes Kind entwickelt eine hoch ansteckende Krankheit, die tausende dahinrafft, weil man die Krankheit nicht erkannt hat. Erst danach entwickelt man Therapien gegen diese Krankheit oder verbietet Retortenbabies. Ein weiterer Berg in den Alpen bricht in sich zusammen. Oder 100.000 Menschen sterben, weil eine ganz Stadt in den Löchern versinkt, die das Fracking hinterlassen hat. Das tatsächlich stattfindende Ereignis ist immer noch wirkungsmächtiger als jede verbal ausgesprochene Warnung, die immer als überzogen, unwahrscheinlich oder so abgetan werden kann, dass man das alles schon in den Griff bekommen wird, wenn es erst einmal soweit ist.

Der Zukunftsforscher Ulrich von Weizsäcker hält gerade in diesen Monaten des Jahres 2019 einen flammenden Appell nach dem anderen, indem er auf die Gefahren etwa abrutschender Polkappen hinweist. Er sieht in diesem Falle den Meeresspiegel dramatisch ansteigen und das Leben von 200 Millionen Menschen in Gefahr, die dicht an Ufern und Küsten leben. Das klingt schauerlich, mag auch richtig sein, aber zu einem „Umdenken“ wird es erst führen, wenn das Ereignis wirklich eintritt. Wenn eine Polkappe abrutscht. Und ein einzelnes, kleineres Ereignis reicht dazu nicht aus. Erst eine gewisse Zahl direkt hintereinander eintretender Ereignisse löst das Gefühl des logischen Zusammenhangs und damit Entscheidungen aus. Erst eine Reihe von Todesfällen in deutschen Kliniken hat dafür gesorgt, dass die Hygienevorschriften massiv verbessert wurden. Selbst schwerste Störfälle in Harrisburg und Tschernobyl haben nicht ausgereicht, die Atomkraft als Energiequelle grundsätzlich zu hinterfragen. Dazu brauchte es erst die Katastrophe von Fukushima.

Erst wenn autonom fahrende Autos Menschen niedermähen, wird man in der Lage sein, dies künftig zu verhindern und die rollenden Gefährte zu einem für alle sicheren Verkehrsmittel zu machen. Erst Gifttote in indischen Fabriken haben in den 80er Jahren dazu geführt, dass bestimmte chemische Stoffe heute nicht mehr hergestellt werden. Erst als die ersten Fälle von Kindesmissbrauch an die Öffentlichkeit gelangten, waren wir in der Lage, diesen in der Zukunft zu verhindern. Ganz offenkundig führt uns erst das Desaster in eine glücklichere Zukunft.

Dr. Klaus-Ulrich Moeller / Der Skoptimist - Gedankensplitter zur unfertigen Zukunft / Books on Demand GmbH Norderstedt 2019 / 284 Seiten, 19.90.- / ISBN 9783738623840 / Bestellung über moeller@top-global-speaking.net

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Diese Seite gehört Dr. Klaus-Ulrich Moeller, Zeitgeist-Experte & Wirtschafts-Futurist, einem unbequemen Vordenker, Autor und gefragtem KeyNote Speaker. Klaus-Ulrichs Überzeugung: Zukunft entsteht im Kopf - man muss dort nur nachschauen.

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