• Dr. Klaus-Ulrich Moeller

Jetzt gendert auch Google


Auch Google trainiert jetzt seine Algorithmen darauf, "politisch korrekte" Sprache zu verwenden und unkorrekte Sprache durch Autokorrektur ausfiltern zu lassen. Aus dem "postman" wird ein "post carrier", ein "Post Tragender". Das Wort "freshmen" (etwa "Anfänger" im Sport) dürfte zu "fresh person" werden. Heute noch Auslöser für Schnappatmung, werden wir uns an all das in wenigen Jahren gewöhnt haben: Den "Zuhörenden" (statt den Zuhörer oder Zuhörerin), den "Musiktreibenden", den "Postzustellenden", die "Autofahrenden". Damit entfällt dann auch der Kulturkampf darüber, wie das dritte, vierte und fünfte Geschlecht betitelt werden soll. Der Duden wird den "Neusprech" in die nächste Aktualisierung 2024 übernehmen, amtliche Dokumente mit rein maskulin geprägter Sprache werden auf uns wirken wie aus der Zeit gefallen.


Sprache ist eine zeitgeistige Entwicklung und folgt den gleichen Gesetzen wie allen gesellschaftlichen Prozessen: Erst empören wir uns, sind entsetzt über den vermeintlichen Schwachsinn, den da linkselitäre Zirkel produzieren; dann gewöhnen wir uns daran; dann merken wir es nicht einmal mehr und wenn es unserem Status dient, als modern und aufgeklärt zu gelten, werden wir flugs behaupten, wir hätten das immer schon für richtig gehalten. Dazu sind wir viel zu wandlungsfähig als Mensch. Wir haben Tempo 50 in Innenstädten überlebt, das Rauchverbot auf Bahnsteigen, Frauen als Autofahrer (noch 1965 waren 95 Prozent der Autofahrer Männer), die Umstellung der Postleitzahlen, die Ehe für alle oder die Abschaffung der Bahnsteigkarte - alles hoch umstritten, als es passierte. Und heute Alltag.


An all meine "Lesenden": Auch wenn über 70 Prozent der Deutschen die Gendersprache ablehnen und für übertrieben halten - in spätestens 10 Jahren haben wir es akzeptiert als Ausweis einer neuen Zeit.


Klaus-Ulrich Moeller



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